IP-Schutzklassen: Welche Schutzart braucht eine Außenkamera?

Was die beiden Ziffern bedeuten, welcher Wert im Außenbereich Pflicht ist und warum die Temperaturangabe genauso wichtig ist.

Zuletzt aktualisiert am 11. August 2026 · Überwachungskamera

Die IP-Kennzeichnung steht auf jedem Datenblatt einer Außenkamera und wird trotzdem oft falsch gelesen. Sie besteht aus zwei Ziffern, die zwei unabhängige Eigenschaften beschreiben.

Was die Ziffern bedeuten

Erste Ziffer – Schutz gegen feste Fremdkörper, von 0 (kein Schutz) bis 6 (staubdicht). Für den Außenbereich sollte hier immer eine 5 oder 6 stehen; alles darunter lässt Insekten und Staub ins Gehäuse, was früher oder später die Optik beschlägt.

Zweite Ziffer – Schutz gegen Wasser, von 0 bis 9. Relevant sind:

KennzeichnungBedeutungPraxis
IPX4Spritzwasser aus allen Richtungennur unter Vordach
IPX5Strahlwasser aus einer DüseMindestmaß außen
IPX6starkes Strahlwasserfrei bewitterte Wand
IPX7zeitweises Untertauchenbodennahe Montage, Überflutungsgefahr

Welche Schutzart Sie tatsächlich brauchen

Für eine Kamera oder Kameraleuchte an einer Hauswand unter dem Dachüberstand genügt IP65. Sie ist staubdicht und verträgt Regen aus jeder Richtung.

An einer frei stehenden Wand ohne Überstand, an einer Garagenrückwand oder in einer Wetterecke ist IP66 die vernünftigere Wahl. Der Unterschied wird bei Schlagregen mit Wind spürbar, weil das Wasser dann mit Druck gegen Dichtungen und Kabeleinführungen drückt.

IP67 brauchen Sie nur in Sonderfällen: bodennahe Montage, Bereiche, die bei Starkregen unter Wasser stehen können, oder Poolumgebungen.

Was die IP-Kennzahl nicht abdeckt

Drei Punkte fehlen in der Angabe und sind trotzdem entscheidend:

  • Temperaturbereich. Viele Kameras sind für minus 10 bis plus 50 Grad spezifiziert. In Regionen mit strengen Wintern sollten Sie auf minus 20 Grad achten, sonst schaltet die Kamera in kalten Nächten ab – ausgerechnet dann, wenn es früh dunkel ist.
  • UV-Beständigkeit. Günstige Kunststoffgehäuse werden nach zwei bis drei Sommern spröde und kreiden aus. Ein UV-stabilisiertes Gehäuse oder Aluminium hält deutlich länger.
  • Korrosionsschutz. In Küstennähe greift Salzluft Schrauben und Gehäuse an. Edelstahlschrauben und pulverbeschichtetes Aluminium sind dort Pflicht.

Auf die Montage kommt es an

Die beste Schutzart nützt nichts, wenn Wasser an der Kabeleinführung entlang ins Gehäuse läuft. Führen Sie Kabel von unten ein, ziehen Sie Verschraubungen richtig an und legen Sie eine Tropfschlaufe – eine Schlaufe im Kabel unterhalb der Einführung, an der Wasser abtropft, bevor es das Gehäuse erreicht. Mehr dazu unter Montage und Standort.

Häufige Fragen

Welche IP-Schutzklasse braucht eine Überwachungskamera außen?

IP65 ist der praktische Mindeststandard: staubdicht und geschützt gegen Strahlwasser aus jeder Richtung. Unter einem Vordach reicht das aus, an einer frei bewitterten Wand ist IP66 die sicherere Wahl.

Was bedeutet die erste Ziffer bei IP65?

Sie steht für den Schutz gegen feste Fremdkörper. Die 6 bedeutet vollständig staubdicht, die höchste Stufe.

Ist IP67 besser als IP66?

Nicht in jeder Hinsicht. IP67 schützt gegen zeitweises Untertauchen, IP66 gegen starken Strahlwasserdruck. Für eine Wandmontage ist IP66 in der Regel der relevantere Wert.

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